Foto: koeberl döringer Architekten

Preisträger BDA Preis Bayern 2013
Preisträger BDA-Architekturpreis Nike 2013

Schneekirche, Mitterfirmiansreut

Mitterfirmiansreut

Foto: koeberl döringer Architekten

Schneekirche, Mitterfirmiansreut

Mitterfirmiansreut
Projekt
Schneekirche, Mitterfirmiansreut
Architekt
Köberl Döringer Architekten, Passau
Bauherr
Verein 100 Jahre Schneekirche Mitterfirmiansreut e.V.

Vor etwa hundert Jahren hatten die Bewohner von Mitterfirmiansreut, einem Ortsteil von Philippsreut im Bayerischen Wald, mit einer ungewöhnlichen Aktion auf sich aufmerksam gemacht. Aus eigener Kraft errichteten sie eine 14 Meter lange Kirche aus Schnee und Eis. Nach dem Vorbild des Passauer Doms hatte die Schneekirche sogar zwei Türme und machte den beschwerlichen Fußmarsch zur Sonntagsmesse im Nachbarort überflüssig. Regionale und überregionale Zeitungen hatten im Winter 1911 von dem erstaunlichen Bauwerk berichtet, das sogar in amerikanischen Illustrierten abgebildet war. Die Dorfbevölkerung selbst verstand ihr Schneebauwerk als Protestaktion, mit der sie auf die Dringlichkeit einer eigenen Kirche hinweisen wollte.

Zum hundertjährigen Jubiläum des ungewöhnlichen Kirchenbaus in Mitterfirmiansreut, das heute als Winterskiort im Dreiländereck bekannt ist, setzte sich ein Förderverein zum Ziel, mit einer neuen Schneekirche an den Vorgängerbau zu erinnern. Private Sponsoren sowie die Gemeinde Philippsreut und die tschechische Nachbargemeinde Strážný beteiligten sich an der Finanzierung des 70.000 Euro teuren Gotteshauses. Insgesamt 1.400 Kubikmeter Schnee wurden auf dem Berg über dem Skiort zu einer frei geschwungenen Kuppelform aufgetürmt. Das Untergerüst aus Blechpaneelen gab den Schneemassen Halt – für die Fensterportale und den Altar wurden Eisblöcke verwendet. Dank der tatkräftigen Initiative der Mitglieder des Fördervereins 100 Jahre Schneekirche Mitterfirmiansreut konnte der Kirchenbau mit seinem knapp 19 Meter hohen Turm im Dezember 2011 fertiggestellt werden. Die neue Schneekirche war eine Gemeinschaftsaktion, die Tausende von Besuchern anzog. Bevor die temporäre Architektur dem Tauwetter zum Opfer fiel, wurde sie als ein Ort der Versammlung, für Gottesdienste und verschiedene Veranstaltungen genutzt.

Foto: koeberl döringer Architekten
Foto: koeberl döringer Architekten
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Foto: koeberl döringer Architekten
Foto: koeberl döringer Architekten
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Preisträger

BDA Preis Bayern 2013 – Soziales Engagement

Vor etwa hundert Jahren hatten die Bewohner von Mitterfirmiansreut, einem Ortsteil von Philippsreut im Bayerischen Wald, mit einer ungewöhnlichen Aktion auf sich aufmerksam gemacht. Aus eigener Kraft errichteten sie eine 14 Meter lange Kirche aus Schnee und Eis. Nach dem Vorbild des Passauer Doms hatte die Schneekirche sogar zwei Türme und machte den beschwerlichen Fußmarsch zur Sonntagsmesse im Nachbarort überflüssig. Regionale und überregionale Zeitungen hatten im Winter 1911 von dem erstaunlichen Bauwerk berichtet, das sogar in amerikanischen Illustrierten abgebildet war. Die Dorfbevölkerung selbst verstand ihr Schneebauwerk als Protestaktion, mit der sie auf die Dringlichkeit einer eigenen Kirche hinweisen wollte.
Zum hundertjährigen Jubiläum des ungewöhnlichen Kirchenbaus in Mitterfirmiansreut, das heute als Winterskiort im Dreiländereck bekannt ist, setzte sich ein Förderverein zum Ziel, mit einer neuen Schneekirche an den Vorgängerbau zu erinnern. Private Sponsoren sowie die Gemeinde Philippsreut und die tschechische Nachbargemeinde Strážný beteilig­ten sich an der Finanzierung des 70.000 Euro teuren Gotteshauses. Insgesamt 1.400 Kubikmeter Schnee wurden auf dem Berg über dem Skiort zu einer frei geschwungenen Kuppelform aufgetürmt. Das Untergerüst aus Blechpaneelen gab den Schneemassen Halt – für die Fensterportale und den Altar wurden Eisblöcke verwendet. Dank der tatkräftigen Initiative der Mitglieder des Fördervereins 100 Jahre Schneekirche Mitterfirmiansreut konnte der Kirchenbau mit seinem knapp 19 Meter hohen Turm im Dezember 2011 fertiggestellt werden. Die neue Schneekirche war eine Gemeinschaftsaktion, die Tausende von Besuchern anzog. Bevor die temporäre Architektur dem Tauwetter zum Opfer fiel, wurde sie als ein Ort der Versammlung, für Gottesdienste und verschiedene Veranstaltungen genutzt.

Preisträger

BDA-Architekturpreis Nike 2013 – Nike für Symbolik

Ehrung eines zeichenhaften Bauwerks, das den städtebaulichen Kontext in besonderer Weise betont, weiterdenkt oder neu strukturiert.

1911 errichteten Dorfbewohner von Mitterfirmiansreut im Bayerischen Wald die Skulptur einer Kirche aus Schnee und Eis, um auf ihre Kirchenlosigkeit  und die damit verbundenen Mühen des weiten winterlichen Kirchgangsnach Mauth hinzuweisen. Sie hatten Erfolg mit diesem Zeichen des stillen Protests und konnten bereits 1923 mit dem Bau einer eigenen Kapelle aus Spendengeldern beginnen. Zum hundertjährigen Jubiläum der Schneekirche ließ der Förderverein „100 Jahre Schneekirche Mitterfirmiansreut“ diese Idee mit finanzieller Unterstützung durch private Sponsoren sowie durch die Gemeinden Philippsreut und Strážný wieder aufleben.

Köberl Döringer Architekten haben in Zusammenarbeit mit bulicek + ingenieure, beide aus Passau, mit der Schneekirche des Winters 2011/ 2012 nicht nur ein symbolträchtiges Zeichen auf dem oberhalb von Mitterfirmiansreut am Schneekirchenweg liegenden Hügel geschaffen, sie haben dies auch in einer einzigartigen Weise getan.

Die Kirche, 26 Meter lang und elf Meter breit, mit einem knapp 19 Meter hohen Turm ausgestattet, wurde einer Schneewehe über vom Eis geschliffenen Felsen nachempfunden und aus Schnee und Eis über einem metallenen Leergerüst erbaut. Weit über ihre symbolische Wirkung hinaus steht die Schneekirche für die Sinnhaftigkeit der Zusammenarbeit von Architekt und Ingenieur, die sich beide der Herausforderung des Umgangs mit dem sonderbaren Baustoff Schnee gestellt und die Aufgabe gemeinsam durch ein ineinandergreifendes Konzept von Entwurf und Tragwerk gelöst haben.

Entstanden ist eine erlebbare und doch vergängliche Schneekirche, ein wundervoll inspirierender, spiritueller Ort der Versammlung und der Gemeinschaft, zugleich eindrucksvolles Symbol für das Engagement der Bürger aus Philippsreut und der tschechischen Nachbargemeinde Strážný. Architektur bewirkt auch in ihrer Vergänglichkeit Veränderungen einer Gemeinschaft – das hat die Schneekirche als Grenzgängerin zwischen Architektur und Kunst bewiesen. Sie hat die Region des Bayerischen Waldes weiter mit Tschechien verwoben – und mit einer temporären Wirklichkeit aus Schnee und Eis viele Spuren hinterlassen.

Laudator: Prof. Andreas Emminger