© Stefan Müller

Preisträger BDA PREIS BERLIN 2009

Jacob und Wilhelm Grimm – Zentrum

Berlin

© Stefan Müller
Projekt
Jacob und Wilhelm Grimm – Zentrum
Architekt
Max Dudler
Bauherr
Humboldt-Universität zu Berlin vertreten durch Senatsverwaltung für Stadtentwicklung

Jacob und Wilhelm Grimm – Zentrum

Der Baukörper schließt den Block zwischen Geschwister-Scholl- und Planckstraße zum Viadukt der Stadtbahn und hält entlang der Hochbahntrasse einen Vorplatz frei, an dem der Haupteingang zur Bibliothek liegt. Das Gebäude bindet an die Traufhöhen der Nachbarbauten im Norden an. Der erhöhte Bereich am Viadukt mit den geschossübergreifenden Fensterschlitzen wird durch einen Rücksprung in den Fassaden der angrenzenden Straßen vom niedrigeren Bauteil abgesetzt. Das Gebäude orientiert sich axialsymmetrisch zum Vorplatz, von dem der Hauptzugang in das zweigeschossige Foyer führt. Das Zentrum der Bibliothek bildet der durch eine Lichtdecke erhellte terrassierte Lesesaal, um den herum die Stellflächen für Bücherregale, Seminar- und Nebenräume sowie einzelne Leseinseln angeordnet sind. Ein großer Forschungslesesaal befindet sich im zurückgesetzten Dachgeschoss des südlichen Gebäudeteils. Die mit Juramarmor bekleideten Fassaden stellen im Material den Bezug zu repräsentativen Bauten im Zentrum Berlins her. Die unterschiedlichen Breiten der Fensteröffnungen ergeben sich aus der Gangbreite zwischen den Bücherregalen und großzügigeren Aussichtsmöglichkeit aus hinter der Fassade gelegenen Lesebereichen.

Bericht der Jury: Der stadträumlichen Figur gelingt es ganz hervorragend, einerseits durch Kompaktheit und Fortsetzung die Straßenflucht in der Geschwister-Scholl-Straße im Osten den Blockrand zu schließen, andererseits durch Versatz und Platzraumausbildung im Westen eine zwar nicht solitäre, aber selbstbehauptende Position einzunehmen.  Die skulpturale Behandlung der Großform, die souveräne Beherrschung des Maßstabs, die feine Rhythmisierung der Fassaden, die Schichtungen, Transparenzen und die Noblesse im Detail wie auch die reduzierte Auswahl der Materialien – Kalkstein wassergestrahlt, Juramarmor, Kirschholz und dunkles Metall – sind von großer Stimmigkeit. Im Vergleich zu anderen Großformen und „Stadtbausteinen“ in Berlin nimmt die Zentralbibliothek mit diesen Qualitäten eine herausragende Stellung ein. Die erklärte Selbstähnlichkeit mit der Typologie des Bücherregals ist nachvollziehbar, die daraus abgeleiteten Raster und Maße verständlich und erlebbar.  Erschließung und Orientierung, Organisation und Zonierung um den zentralen Lesesaal, Lockerung und Verdichtung, Einheitlichkeit und Differenzierung sind auch angesichts der Größenordnung und angesichts der in der Aufgabenstellung immanenten Redundanz seiner Elemente gekonnt und eindrucksvoll angewendet.  Aus all diesen architektonischen und gestalterischen Entscheidungen ergibt sich eine gespürte Ambivalenz zwischen Ruhe, Ordnung und Konzentration einerseits sowie Transparenz und Offenheit andererseits.  Die Stimmigkeit in Inhalt und Ausdruck findet ihre Fortsetzung bis hinein in die Möblierung und dezente Integration der Haustechnik, die weitgehend auf abgehängte Decken verzichtet und mittels Bauteil-Kühlung und -Heizung den hohen Ansprüchen an die Gebäudeklimatisierung genügt.  Das Bauwerk evoziert Vergleiche zu anderen großen Bibliotheken, etwa von Plecnik, Asplund oder Kahn. Erst mit den Jahren wird sich zeigen, inwiefern das Jakob und Wilhelm Grimm – Zentrum diesen Vergleichen standhält.

© Stefan Müller
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Preisträger

BDA PREIS BERLIN 2009 – BDA PREIS BERLIN 2009