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Rückblick: Wohnraum schaffen – Stadtraum bauen

7. Dezember 2017

Was kann Berlin von anderen Städten lernen?
Rückblick auf die Vortrags- und Diskussionsveranstaltung am 4. Dezember 2017

„Gemeinsam handeln, den Blick über den Tellerrand wagen und neue Wege gehen, um den Wohnungsbau in Berlin voranzubringen“. Mit diesem Leitsatz eröffnete der BDA-Vorsitzende Andreas R. Becher den Diskurs Wohnraum schaffen – Stadtraum bauen, zu dem der BDA Berlin in den Projektraum von ExRotaprint in Berlin-Wedding geladen hatte.
Der BDA wollte die Veranstaltung als Aufruf verstanden wissen, Lösungen für die vielen offenen Fragen zu diskutieren, die sich im Zusammenhang mit dem Berliner Wohnungsbauprogramm des Senats stellen.

Einen Beitrag des Berliner Journalisten und Architekturkritikers Claus Käpplinger finden sie hier als Download

Foto: Rainer Gollmer
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Begrüßung Andreas R. Becher, Vorsitzender BDA Berlin

Ausgangspunkt war eine Bestandsaufnahme durch den BDA, die Julia Dahlhaus für den Arbeitskreis Wohnungsbau in ihrem Eingangsstatement mit dem Urteil Berlin ist dabei, eine Chance zu verpassen zusammenfasste. Fehlende Stadtentwicklungskonzepte, Konzentration der Aufgabe Wohnungsbau allein auf die städtischen Wohnungsbaugesellschaften, schwache Durchsetzungskraft des Senats und eine ungenügende Zusammenarbeit mit den Bezirken, falsch verstandene Bürgerbeteiligung sowie die Verteidigung von Partikularinteressen – dies waren nur einige der Kritikpunkte die Dahlhaus anführte.

Foto: Rainer Gollmer
Foto: Rainer Gollmer
Berlin ist dabei eine Chance zu verpassen, Julia Dahlhaus

Wie aber soll Berlin bauen? Welche Voraussetzungen müssen erfüllt sein, damit langfristig funktionierende, nachhaltige Quartiere geschaffen werden? Wie kann durch eine durchdachte Einbindung der Prozessbeteiligten und der Bürger die Grundlage für eine auf breiter Ebene getragene qualitätvolle Stadtentwicklung für ganz Berlin geschaffen werden? Wo liegt die Verantwortung der Politik?

Auf der Suche nach Antworten auf diese Fragen hat sich der Arbeitskreis Wohnungsbau im BDA in anderen Städten umgeschaut und ausgewiesene Experten eingeladen, Ansätze aus Hamburg, Wolfsburg und Zürich vorzustellen:

Foto: Rainer Gollmer
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Peter Jorzick, HTP HAMBURG TEAM

Peter Jorzick, Gesellschafter des HTP HAMBURG TEAM, erläuterte als Beispiel für ein gelingendes Zusammenwirken der Akteure im Wohnungsbau das 2011/2016 geschlossene Hamburger Bündnis für das Wohnen. Darin verständigen sich Land, Kommunen, städtische und private Bauträger auf verbindliche gemeinsame Ziele im Wohnungsbau, welche in kooperativer Zusammenarbeit mit Erfolg umgesetzt werden.

Foto: Rainer Gollmer
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Anne Lampen, BDA Berlin mit Annett Hesse und Pierre Rey, Stadt Wolfsburg

Pierre Rey und Annett Hesse von der Stadt Wolfsburg stellten das mit dem Projekt „Bildungshaus“ 2013 eingeführte Partizipationskonzept Wolfsburg vor. Bei dem Projekt wurde die Bürgerbeteiligung als fester Bestandteil in den mehrstufigen Wettbewerb integriert. Hier konnte auf breiter Basis eine Identifikation mit dem Projekt hergestellt werden, ebenso aber auch Respekt vor der Arbeit der Architekten und dem Abwägungsprozess durch die Experten der Jury.

Foto: Rainer Gollmer
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Claudia Thiesen, Genossenschaft mehr als wohnen

Claudia Thiesen von der Genossenschaft mehr als wohnen berichtete über die Entwicklung des Hunziker Quartiers in Zürich, das seine Entstehung auch konsequenten politischen Weichenstellungen durch die Stadt Zürich verdankt. Das Quartier auf dem Gelände einer ehemaligen Betonfabrik vereint günstigen Wohnraum, hohe gestalterische Qualität, eine funktionierende Anwohnermischung und lebendige Strukturen im Quartier, die im fortwährenden Dialog mit den Bewohnern weiterentwickelt werden.

Foto: Rainer Gollmer
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Dr. Philipp Bouteiller, Brigitte Fehrle, Snezana Michaelis

Die Beispiele für Kooperation, Partizipation und gelungene Quartiersentwicklung bildeten auch den thematischen Rahmen der anschließenden Podiumsdiskussion mit der Berliner Senatorin für Stadtentwicklung und Wohnen Katrin Lompscher, der Journalistin Brigitte Fehrle (Berliner Zeitung), dem Geschäftsführer der Tegel Projekt GmbH Dr. Philipp Bouteiller und Gewobag Vorstandsmitglied Snezana Michaelis und den Rednern.

Kritisch hinterfragten die Moderatoren Anne Lampen und Roland Kuhn vom Arbeitskreis Wohnungsbau dabei, inwieweit der Senat seine Handlungshoheit ausreichend wahrnehme: beispielsweise durch ein Bündnis mit allen – auch privatwirtschaftlichen – Akteuren im Wohnungsbau nach dem Vorbild Hamburgs, einer engagierten Bürgerbeteiligung wie in Wolfsburg oder stadtentwicklungspolitischen Weichenstellungen für die Schaffung kostengünstigen Wohnraums, wie sie Zürich auf den Weg gebracht habe.

Foto: Rainer Gollmer
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Die Möglichkeiten, eine positive Dynamik in den Berliner Wohnungsbau zu bringen, wurden von den Beteiligten dabei unterschiedlich eingeschätzt. Brigitte Fehrle kritisierte grundsätzlich eine nicht an Sachthemen orientierte Diskussionskultur in den Bezirken und auf Landesebene. Lompscher verwies auf die speziellen Strukturen Berlins und darauf, dass die Stadt erst ab 2012 in eine neue „Kultur des Stadtwachstums“ eingestiegen sei – man somit noch „am Anfang“ stehe. Dr. Bouteiller verwies auf positive Erfahrungen bei den Dialogverfahren zur Nachnutzung Tegel und de Schumacher Quartier, dem gelichwohl das negative Ergebnis des Bürgerentscheides zum Flughafen entgegenstehe. Snezana Michaelis wiederum betonte, dass die städtischen Wohnungsbaugesellschaften „nicht aus eigener Kraft“ in der Lage seien, die anstehenden großen Aufgaben zu meistern.
Peter Jorzick kritisierte eine mangelnde Bereitschaft, neue Wege zu gehen und auch im Segment des geförderten Wohnungsbaus verstärkt private Bauträger einzubinden.

Foto: Rainer Gollmer
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Andreas R. Becher, Roland Kuhn, Peter Jorzick, Katrin Lompscher
Foto: Rainer Gollmer
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Roland Kuhn, Katrin Lompscher

Den Schluss der kontrovers geführten Diskussion bildete der Appell der Moderatoren an die Politik, Mut für Entscheidungen zu zeigen und zu handeln: durch „Kooperation mit allen Akteuren, eine mitnehmende Bürgerbeteiligung, die das Bauen fördert statt es zu verhindern und durch eine transparente Vermittlung auch der positiven Aspekte der Verdichtung der Stadt.“

Einen ausführlichen Bericht zu der Veranstaltung finden Sie in Kürze hier.

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